Das Gespräch in der Praxis war kurz. Am Ende sagt die Ärztin: „Wir könnten es mit Methylphenidat versuchen.“ Sie gibt dir ein Rezept und einen Termin in sechs Wochen.

Zu Hause sitzt du am Küchentisch und fragst dich: Ist das jetzt der richtige Weg? Und haben wir vorher wirklich alles versucht?

Wenn du gerade an diesem Punkt stehst: Diese Unsicherheit ist völlig normal. In diesem Artikel erkläre ich, was in der offiziellen Fachinformation, bei der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und in der deutschen Leitlinie steht, bevor ein Kind ADHS-Medikamente bekommt. Und welche Fragen du stellen kannst.

Kurz gesagt: Medikamente wie Methylphenidat sind bei ADHS eine anerkannte Möglichkeit. Sie sollen aber nie allein stehen, sondern Teil einer Gesamtstrategie sein, zu der auch Aufklärung, Elternberatung, Absprachen mit der Schule und weitere Hilfen gehören. Bei Kindern unter sechs Jahren und bei leichter Ausprägung stehen diese anderen Hilfen an erster Stelle. Die Entscheidung trefft ihr gemeinsam mit den behandelnden Ärzten.

Wichtig vorab: Zur Medikation selbst berate ich nicht. Das gehört in ärztliche Hände. Ich begleite Familien bei allem, was rund um diese Entscheidung wichtig ist.

Was in der Fachinformation zu Methylphenidat steht

Jedes Medikament hat eine Fachinformation. Darin steht, wofür und unter welchen Bedingungen es zugelassen ist. Bei Methylphenidat, dem häufigsten ADHS-Medikament für Kinder, steht dort sinngemäß:

  • Es ist für Kinder ab sechs Jahren zugelassen, nicht für jüngere.
  • Es wird im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie eingesetzt. Dazu gehören in der Regel psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen.
  • Es kommt infrage, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben.
  • Die Entscheidung soll auf einer sorgfältigen Einschätzung beruhen, wie stark das Kind betroffen ist.
  • Die Behandlung wird regelmäßig kontrolliert, zum Beispiel das Wachstum. Und es wird empfohlen, das Medikament mindestens einmal im Jahr probeweise abzusetzen, um zu schauen, wie es dem Kind ohne geht.

Das heißt: Ein Rezept allein ist nach der Zulassung keine vollständige Behandlung.

Was die WHO empfiehlt

Auch die Weltgesundheitsorganisation hat Empfehlungen zur Behandlung von ADHS bei Kindern veröffentlicht. Sie rät, vor Beginn einer Medikation Elternberatung oder Elterntraining in Betracht zu ziehen.

Methylphenidat kann bei Kindern ab sechs Jahren erwogen werden, wenn die Beschwerden weiterhin deutlich belasten. Die Verordnung soll durch eine Fachärztin oder in Absprache mit ihr erfolgen, und das Kind soll eng begleitet werden.

Was die deutsche Leitlinie sagt

In Deutschland gibt es eine Leitlinie der Fachgesellschaften, an der sich Ärzte und Therapeuten orientieren. Sie empfiehlt grundsätzlich eine Behandlung aus mehreren Bausteinen und immer eine gute Aufklärung der Familie. Je nach Alter und Ausprägung unterscheidet sie:

Kinder unter sechs Jahren

Zuerst psychosoziale Hilfen, vor allem Elterntraining. Unter drei Jahren keine Medikamente.

Leichte Ausprägung

Zuerst psychosoziale Hilfen. Medikamente nur in Einzelfällen ergänzend.

Mittlere Ausprägung

Entweder intensive psychosoziale Hilfen, Medikamente oder beides. Das entscheidet ihr gemeinsam mit den Ärzten.

Starke Ausprägung

Hier stehen Medikamente weiter vorne, zusammen mit Aufklärung und begleitenden Hilfen.

Medikamente sind also kein Tabu. Aber sie sind fast nie der einzige und selten der erste Schritt.

Was „andere Hilfen“ konkret heißt

Wenn in Fachinformation und Leitlinie von „anderen Maßnahmen“ die Rede ist, sind zum Beispiel gemeint:

  • Aufklärung: Eltern, Kind und Lehrkräfte verstehen, was los ist und was hilft.
  • Elternberatung und Elterntraining: Wie gebe ich meinem Kind Struktur und Halt? Wie gehe ich mit Wut, Hausaufgaben und Konflikten um?
  • Absprachen mit der Schule: Sitzplatz, Pausen, klare Aufträge, Rückmeldungen.
  • Psychotherapeutische Hilfe für das Kind, zum Beispiel zur Selbstregulation.

Und genauso wichtig: das ganze Kind anschauen. Schläft es gut? Atmet es nachts frei? Hört und sieht es gut? Wie viel Stress und Bildschirmzeit gibt es? Mehr dazu im Artikel „Hat mein Kind ADHS? Was sonst hinter Unruhe und Unkonzentriertheit stecken kann“.

Fragen, die du der Ärztin stellen kannst

Schreib dir die Fragen vor dem nächsten Termin auf. Es ist dein gutes Recht, alles zu verstehen.

Wie stark ist mein Kind betroffen – leicht, mittel oder stark?
Welche anderen Hilfen wurden schon versucht, und welche können wir noch dazunehmen?
Wurden Schlaf, Hören und Sehen abgeklärt?
Woran merken wir, ob das Medikament hilft?
Wie oft sehen wir uns zur Kontrolle?
Wann machen wir eine Pause, um zu schauen, wie es ohne geht?
Was beobachten wir zu Hause, und an wen wenden wir uns bei Fragen?

Wenn ihr euch für Medikamente entscheidet

Dann ist das keine Niederlage und kein Versagen. Für manche Kinder sind Medikamente eine echte Entlastung. Sie können ein Kind so weit stabilisieren, dass andere Hilfen überhaupt erst greifen.

Wichtig ist nur: Das Medikament ersetzt nicht den Rest. Struktur zu Hause, gute Absprachen mit der Schule und ein Kind, das sich verstanden fühlt, bleiben genauso wichtig.

„Wir haben schon alles versucht“

Diesen Satz höre ich oft. Und ich glaube den Eltern, dass sie sich enorm bemüht haben. Oft hat aber niemand mit ihnen auf alles geschaut: auf den Schlaf, die Atmung, das Hören und Sehen, den Körper, den Alltag zu Hause.

Mein Anliegen ist, Kinder abzuholen, bevor eine Diagnose oder Medikamente nötig werden. Und gemeinsam zu prüfen, was noch möglich ist.

Wie ich euch begleite

Bei mir wartet ihr nicht monatelang. Ich habe freie Termine, sodass wir zeitnah anfangen können.

Im Kompass-Gespräch schauen wir gemeinsam auf euren Alltag, auf Schlaf, Schule, Familie und Entwicklung. Daraus entsteht euer Weg, zum Beispiel mit Elternarbeit und Familiencoaching, KinFlex®, Benaudira oder mindTV. Wenn es passt, verweise ich weiter, etwa an die Kinderärztin oder eine Optometristin.

Ich begleite Familien vor, während oder nach einer Diagnose. Und auch dann, wenn ein Kind schon Medikamente nimmt. Meine Begleitung ersetzt keine ärztliche Behandlung, sie ergänzt sie.

Mehr dazu auf meiner Seite ADHS ganzheitlich betrachten.

Häufige Fragen von Eltern

Ab welchem Alter dürfen Kinder ADHS-Medikamente bekommen?

Methylphenidat ist für Kinder ab sechs Jahren zugelassen. Bei jüngeren Kindern empfiehlt die deutsche Leitlinie zuerst psychosoziale Hilfen, vor allem Elterntraining.

Muss mein Kind bei ADHS Medikamente nehmen?

Nicht unbedingt. Das hängt davon ab, wie stark es betroffen ist. Bei leichter Ausprägung stehen andere Hilfen an erster Stelle, bei starker Ausprägung können Medikamente früher sinnvoll sein. Die Entscheidung trefft ihr gemeinsam mit den behandelnden Ärzten.

Was heißt „therapeutische Gesamtstrategie“?

Dass ein Medikament nicht allein eingesetzt wird, sondern zusammen mit psychologischen, pädagogischen und sozialen Hilfen, zum Beispiel Aufklärung, Elternberatung und Absprachen mit der Schule.

Was empfiehlt die WHO vor einer ADHS-Medikation?

Die WHO rät, vor Beginn einer Medikation Elternberatung oder Elterntraining in Betracht zu ziehen. Medikamente sollen von Fachärzten verordnet und eng begleitet werden.

Berätst du zur Medikation?

Nein. Fragen zu Medikamenten gehören in ärztliche Hände. Ich begleite Familien bei allem, was rund um diese Entscheidung wichtig ist: Alltag, Schule, Familie und das, was das Kind sonst noch braucht.

Wie schnell bekomme ich bei dir einen Termin?

In der Regel zeitnah. Ich habe freie Termine, ihr müsst nicht monatelang warten. Am einfachsten buchst du dir ein kostenloses Kennenlern-Telefonat.

Über die Autorin

Julia Meister ist Heilpraktikerin für Psychotherapie (Prüfung 2014) und begleitet in ihrer Praxis mindkids in Friedrichsdorf Kinder, Jugendliche und Eltern. Ihre Schwerpunkte sind Konzentration und ADHS-ähnliche Anzeichen, Schule, Ängste, Selbstregulation und frühkindliche Reflexe. Sie arbeitet unter anderem mit KinFlex®, mindTV, Benaudira und Familiencoaching. Mehr über mich

Ihr steht vor dieser Entscheidung?

Manchmal hilft ein Blick von außen, um in Ruhe zu sortieren, was euer Kind gerade braucht und was ihr noch ausprobieren möchtet.

In meiner Praxis mindkids in Friedrichsdorf begleite ich Kinder und Eltern vor, während und nach einer ADHS-Diagnose.

Liebe Grüße,

Julia Meister

mindkids
Julia Meister
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Wilhelmstraße 14 b
61381 Friedrichsdorf

Telefon: 01522 5703225
E-Mail: info@mindkids.de

Ganzheitliche Begleitung für Kinder, Jugendliche und Eltern bei Konzentrationsproblemen, ADHS, Schulangst, Ängsten, Wut und Entwicklungsfragen
– für Familien aus Friedrichsdorf, Bad Homburg und dem Hochtaunuskreis.

Quellen und weiterführende Informationen

Weltgesundheitsorganisation (WHO), mhGAP:
Pharmacological and non-pharmacological interventions for children with ADHD

Bundespsychotherapeutenkammer:
Strengere Zulassung von Methylphenidat

Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM):
Methylphenidat: wissenschaftliche Schlussfolgerungen und Fachinformation (PDF)

AWMF:
S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen

Bundesgesundheitsportal gesund.bund.de:
ADHS – Symptome, Ursachen und Behandlung

Weitere Artikel findest du im Elternwissen.

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