Elternsprechtag. Die Lehrerin sagt freundlich, aber bestimmt: „Er ist sehr unruhig. Er hört Aufträge nicht zu Ende, ruft rein, verliert ständig seine Sachen. Lassen Sie das doch mal abklären.“
Auf dem Heimweg geht dir ein Wort nicht mehr aus dem Kopf: ADHS.
Wenn du gerade an diesem Punkt bist: Du bist damit nicht allein. Viele Eltern kommen mit genau dieser Frage zu mir. In diesem Artikel erkläre ich, was ADHS eigentlich ist, was sonst hinter Unruhe und Unkonzentriertheit stecken kann und wie du jetzt sinnvoll weitergehst.
Kurz gesagt: Unruhe, Ablenkbarkeit und schnelle Wut können zu ADHS gehören. Sie können aber auch ganz andere Gründe haben: schlechter Schlaf, eine verlegte Nase, Hören oder Sehen, Stress, Überforderung oder ein unruhiger Alltag. Deshalb lohnt es sich, genau hinzuschauen, bevor ein Etikett draufkommt. Und auch wenn es ADHS ist, kann man an vielen dieser Stellen etwas tun.
Darum geht es in diesem Artikel
Was ist ADHS eigentlich?
Was sonst hinter den Anzeichen stecken kann
Und wenn es doch ADHS ist?
„Wir haben schon alles versucht“
Wann und wie du abklären lassen solltest
Wie ich mit euch arbeite
Häufige Fragen von Eltern
Was ist ADHS eigentlich?
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Bei den ADHS-Symptomen beim Kind unterscheidet man drei Bereiche: Das Kind kann seine Aufmerksamkeit schwer halten, ist körperlich sehr unruhig und handelt oft, bevor es nachdenkt. Nicht bei jedem Kind sind alle drei gleich stark.
Wichtig ist: Fast jedes Kind ist mal zappelig, verträumt oder impulsiv. Von ADHS spricht man erst, wenn die Schwierigkeiten über längere Zeit bestehen, in mehreren Lebensbereichen auftreten, also zum Beispiel in der Schule und zu Hause, und den Alltag deutlich beeinträchtigen.
Eine Diagnose stellen Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder Kinderärzte mit Erfahrung in diesem Bereich. Dazu gehört auch, andere Ursachen auszuschließen. Und genau da wird es spannend.
ADHS oder etwas anderes? Was hinter ADHS-ähnlichen Symptomen stecken kann
Unruhe, Ablenkbarkeit und Wut sind wie eine Warnlampe. Sie zeigen: Etwas ist zu viel. Aber nicht, was. Diese Bereiche schaue ich mir immer mit an:
Schlaf und Atmung
Ein Kind, das nachts schlecht schläft, ist am Tag oft nicht müde, sondern aufgedreht. Schnarchen, Atempausen oder ein Mund, der im Schlaf und tagsüber oft offen steht, können ein Hinweis sein. Häufige Ursache sind vergrößerte Mandeln oder Polypen. Ob das eine Rolle spielt, klären Kinderärztin oder HNO. Bei Mundatmung kann außerdem eine myofunktionelle Therapie sinnvoll sein, ein gezieltes Training für Zunge, Lippen und Mundmuskeln, oft über die Logopädie.
Hören
Manche Kinder hören beim Test gut, verstehen aber im Klassenlärm vieles nicht richtig. Dann wirken sie, als würden sie nicht zuhören. Dabei kommt das Gesagte einfach nicht klar an. Mehr dazu auf meiner Seite zum Benaudira Hörtraining.
Sehen
Ein Kind kann scharf sehen, und trotzdem arbeiten die Augen nicht gut zusammen. Dann ist Lesen und Abschreiben mühsam, und das Kind weicht aus oder wird unruhig. Neben der Augenärztin kann eine Optometristin das Zusammenspiel der Augen genauer prüfen.
Körper und Entwicklung
Wenn Stillsitzen, Schreiben oder Gleichgewicht viel Anstrengung brauchen, bleibt weniger Kraft für die eigentliche Aufgabe. Dann schaue ich auch auf die frühkindlichen Reflexe.
Körperliche Ursachen und Ernährung
Auch ein Eisenmangel oder die Schilddrüse können ein Kind müde, unruhig und unkonzentriert machen. Das lässt sich ärztlich über das Blut prüfen. Zu Omega-3-Fettsäuren und B-Vitaminen wird bei ADHS viel geforscht, die Ergebnisse sind bisher uneinheitlich. Sprich darüber am besten mit eurer Kinderärztin.
Lernen und Überforderung
Wenn Lesen oder Rechnen dauerhaft schwerfallen, schaltet ein Kind irgendwann ab. Es wirkt dann unaufmerksam, ist aber eigentlich überfordert. Mehr dazu im Artikel „Mein Kind kann sich in der Schule nicht konzentrieren“.
Stress und Gefühle
Sorgen, Ängste, Streit in der Klasse oder Druck. Ein Kind, das innerlich angespannt ist, hat wenig Platz für Mathe. Manche Kinder zeigen Angst nicht als Rückzug, sondern als Unruhe oder Wut.
Alltag und Umfeld
Hat dein Kind genug Sicherheit, feste Abläufe und klare Orientierung? Wie viel Zeit verbringt es vor Bildschirmen, und wann? Gibt es gerade große Veränderungen, etwa eine Trennung oder einen Umzug? Kinder brauchen einen sicheren Rahmen, um sich regulieren zu können.
Oft ist es nicht eine Sache, sondern ein Zusammenspiel. Und genau deshalb lohnt es sich, nicht nur auf das Verhalten zu schauen, sondern auf das ganze Kind.
Das kannst du heute ausprobieren
Zwei Wochen beobachten: Schreib dir jeden Abend zwei, drei Stichpunkte auf. Wann war es besonders schwer? Wann ging es gut? Was war vorher?
Nachts hinschauen: Geh ein paar Mal nach dem Einschlafen zu deinem Kind. Schnarcht es? Atmet es durch den Mund? Schläft es sehr unruhig oder schwitzt stark?
Bildschirme notieren: Wie lange und wann? Gibt es einen Unterschied zwischen Tagen mit und ohne Bildschirm am Abend?
Diese Notizen sind Gold wert – für dich, für die Kinderärztin und für jedes Gespräch über Unterstützung.
Und wenn es doch ADHS ist?
Das eine schließt das andere nicht aus. Ein Kind kann ADHS haben und gleichzeitig schlecht schlafen, schlecht hören oder viel Stress erleben. Dann lohnt es sich umso mehr, an diesen Stellen anzusetzen. Denn alles, was das Kind zusätzlich belastet, macht auch die ADHS-Anzeichen stärker.
Und ob Medikamente sinnvoll sind, ist keine Entweder-oder-Frage. Die Fachinformation zu Methylphenidat sieht eine Behandlung im Rahmen einer Gesamtstrategie vor, zu der auch psychologische, pädagogische und soziale Hilfen gehören. Elternberatung und -training stehen dabei weit vorne. Wie stark dein Kind betroffen ist, entscheidet über den Weg, gemeinsam mit den behandelnden Ärzten.
„Wir haben schon alles versucht“
Diesen Satz höre ich oft. Und ich glaube den Eltern, dass sie sich enorm bemüht haben. Oft hat aber niemand mit ihnen auf alles geschaut: auf den Schlaf, die Atmung, das Hören und Sehen, den Körper, den Alltag zu Hause.
Mein Anliegen ist, Kinder abzuholen, bevor eine Diagnose oder Medikamente nötig werden. Und gemeinsam zu prüfen, was noch möglich ist.
Manchmal finden wir dabei einen Baustein, der vieles leichter macht. Manchmal zeigt sich, dass eine weitere Abklärung wichtig ist. Beides ist ein guter nächster Schritt.
Wann und wie du abklären lassen solltest
Genauer hinschauen solltest du, wenn …
- die Schwierigkeiten seit vielen Monaten bestehen und nicht kleiner werden,
- sie sich in der Schule und zu Hause zeigen,
- dein Kind darunter leidet, etwa Freunde verliert oder sagt „Ich bin eh dumm“,
- der Familienalltag sich fast nur noch um Konflikte dreht,
- dein Kind laut schnarcht, Atempausen hat oder tagsüber oft durch den Mund atmet.
Erste Anlaufstelle ist eure Kinderarztpraxis. Dort lassen sich Hören, Sehen, Schlaf, Atmung und Blutwerte prüfen. Bei Verdacht auf ADHS gehört eine sorgfältige Diagnostik durch Fachleute dazu. Meine Begleitung ersetzt keine ärztliche Abklärung, sie ergänzt sie.
Wie ich mit euch arbeite
Bei mir wartet ihr nicht monatelang. Ich habe freie Termine, sodass wir zeitnah anfangen können, während andere Wege vielleicht noch laufen.
Am Anfang steht das Kompass-Gespräch. Wir schauen in Ruhe auf euren Alltag, auf Schlaf, Schule, Familie und Entwicklung. Wann wird es schwierig? Was hilft schon? Und wo liegt bei euch der eigentliche Hebel?
Daraus entsteht euer Weg. Je nachdem, was dein Kind braucht, arbeite ich zum Beispiel mit:
KinFlex®-ganzheitliche Reflextherapie
Wenn Körper, Haltung und Bewegung viel Anstrengung brauchen, schaue ich auf die frühkindlichen Reflexe. Dazu gehören auch LiBRA®-Balancebewegung und die V.E.N.U.S.-Zentrierungstherapie, mit der ich gern auch mit Eltern an ihren eigenen Themen arbeite.
Benaudira Hörtraining
Wenn Gesagtes nicht richtig ankommt, prüfe ich mit einem eigenen Hörtest genauer, wie dein Kind hört, und trainiere gezielt.
mindTV
Mit Bildern aus seiner eigenen Welt lernt dein Kind, seine Gefühle, seine Unruhe und seine Aufmerksamkeit besser zu lenken.
Elternarbeit und Familiencoaching
Struktur, Sicherheit, Medien, Hausaufgaben: Gemeinsam schauen wir, wie ihr eurem Kind im Alltag Halt geben könnt. Denn Veränderung passiert vor allem zu Hause, zwischen unseren Terminen.
Mein Netzwerk: Wenn es passt, verweise ich weiter, zum Beispiel an eine Optometristin, an eine myofunktionelle Therapie oder zurück zur Kinderärztin, wenn etwas medizinisch abgeklärt werden sollte. Ich arbeite immer gemeinsam mit euch und, wenn nötig, neben einer ärztlichen Behandlung, nicht stattdessen.
Mehr zu meiner Haltung findest du auf meiner Seite ADHS ganzheitlich betrachten.
Häufige Fragen von Eltern
Kann Schnarchen ADHS-ähnliche Symptome auslösen?
Ja, das ist möglich. Kinder, die nachts schlecht atmen und schlafen, sind tagsüber oft nicht müde, sondern unruhig und unkonzentriert. Häufige Ursache sind vergrößerte Mandeln oder Polypen. Wenn dein Kind regelmäßig schnarcht oder Atempausen hat, lass das in der Kinderarzt- oder HNO-Praxis abklären.
Wer stellt eine ADHS-Diagnose?
Kinder- und Jugendpsychiater, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten oder Kinderärzte mit Erfahrung in diesem Bereich. Zur Diagnostik gehört auch, andere Ursachen wie Schlaf-, Hör- oder Sehprobleme auszuschließen.
Muss ein Kind mit ADHS Medikamente nehmen?
Nicht unbedingt. Das hängt davon ab, wie stark das Kind betroffen ist. Medikamente sind laut Fachinformation Teil einer Gesamtstrategie, zu der auch psychologische, pädagogische und soziale Hilfen gehören. Die Entscheidung trefft ihr gemeinsam mit den behandelnden Ärzten.
Was kann ich tun, bevor eine Diagnose gestellt wird?
Beobachte dein Kind zwei Wochen lang: Wann gelingt es, wann nicht? Wie schläft es? Lass Hören, Sehen und Blutwerte ärztlich prüfen. Und schau auf den Alltag: Sicherheit, feste Abläufe und Bildschirmzeit machen oft einen größeren Unterschied, als man denkt.
Wie schnell bekomme ich bei dir einen Termin?
In der Regel zeitnah. Ich habe freie Termine, ihr müsst nicht monatelang warten. Am einfachsten buchst du dir ein kostenloses Kennenlern-Telefonat.
Begleitest du auch Familien aus Bad Homburg und Umgebung?
Ja. Meine Praxis ist in Friedrichsdorf. Zu mir kommen Familien aus Friedrichsdorf, Bad Homburg und dem ganzen Hochtaunuskreis. Mit älteren Kindern und Eltern arbeite ich auch online.
Über die Autorin
Julia Meister ist Heilpraktikerin für Psychotherapie (Prüfung 2014) und begleitet in ihrer Praxis mindkids in Friedrichsdorf Kinder, Jugendliche und Eltern. Ihre Schwerpunkte sind Konzentration und ADHS-ähnliche Anzeichen, Schule, Ängste, Selbstregulation und frühkindliche Reflexe. Sie arbeitet unter anderem mit KinFlex®, mindTV, Benaudira und Familiencoaching. Mehr über mich
Du fragst dich, ob es ADHS ist?
Manchmal hilft ein Blick von außen, um zu sehen, was hinter der Unruhe steckt und wo ihr ansetzen könnt.
In meiner Praxis mindkids in Friedrichsdorf begleite ich Kinder und Eltern, bevor oder neben einer Diagnose, wenn Konzentration, Unruhe und Wut den Alltag schwer machen.
Liebe Grüße,
Julia Meister
mindkids
Julia Meister
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Wilhelmstraße 14 b
61381 Friedrichsdorf
Telefon: 01522 5703225
E-Mail: info@mindkids.de
Ganzheitliche Begleitung für Kinder, Jugendliche und Eltern bei Konzentrationsproblemen, ADHS, Schulangst, Ängsten, Wut und Entwicklungsfragen
– für Familien aus Friedrichsdorf, Bad Homburg und dem Hochtaunuskreis.
Quellen und weiterführende Informationen
Bundesgesundheitsportal gesund.bund.de:
ADHS – Symptome, Ursachen und Behandlung
AWMF:
S3-Leitlinie ADHS bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
Kinderärzte im Netz (Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte):
Schnarchen kann auch bei Kindern gesundheitsschädlich sein
gesundheitsinformation.de (IQWiG):
Vergrößerte Mandeln bei Kindern
Weitere Artikel findest du im Elternwissen.