Die Lehrerin erzählt, dein Kind sei im Unterricht oft verträumt, höre Arbeitsaufträge nicht zu Ende oder lasse sich von jedem Geräusch ablenken. Bei den Hausaufgaben schweifen die Gedanken ab, dein Kind steht ständig auf oder braucht für eine kleine Aufgabe scheinbar ewig.

Und schnell taucht die Frage auf: Warum kann sich mein Kind nicht konzentrieren?

Dann lohnt es sich, nicht nur darauf zu schauen, ob dein Kind sich konzentrieren kann. Viel aufschlussreicher ist oft die Frage: Wann gelingt Konzentration – und wann nicht?

Kurz gesagt: Wenn ein Kind sich in der Schule nicht konzentrieren kann, spielen oft mehrere Dinge zusammen: Stress und Überforderung, Müdigkeit, viele Reize, Schwierigkeiten mit der Selbstregulation, Sorgen oder Ängste, Lernschwierigkeiten. Auch Seh- oder Hörprobleme können dahinterstecken. Konzentrationsprobleme bedeuten deshalb nicht automatisch ADHS. Entscheidend ist, genau zu beobachten, wann die Schwierigkeiten auftreten und wann es gut klappt.

Was bedeutet es eigentlich, wenn ein Kind sich nicht konzentrieren kann?

Konzentration bedeutet nicht einfach, lange stillzusitzen und aufmerksam zuzuhören.

Im Schulalltag muss dein Kind gleichzeitig viele Dinge schaffen: zuhören, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, Geräusche und Bewegungen ausblenden, sich Arbeitsaufträge merken, anfangen, bei einer Aufgabe bleiben und nach einer Unterbrechung wieder zurückfinden.

All das funktioniert leichter, wenn dein Kind sich körperlich und emotional einigermaßen gut regulieren kann. Deshalb kann hinter dem Satz „Mein Kind kann sich nicht konzentrieren“ sehr Unterschiedliches stecken.

Woran kann es liegen, wenn sich ein Kind nicht konzentrieren kann?

Überforderung und Stress

Wenn dein Kind innerlich angespannt ist, bleibt weniger Aufmerksamkeit für Mathe, Deutsch oder die Erklärung der Lehrkraft. Leistungsdruck, ein voller Schultag oder die Angst, etwas falsch zu machen, binden viel Kraft. Ein Kind kann dann unkonzentriert wirken, obwohl sein eigentliches Problem gar nicht die Konzentration ist.

Reize und Selbstregulation

Im Klassenzimmer passiert gleichzeitig unglaublich viel: Kinder reden, Stühle rücken, jemand läuft vorbei, draußen fährt ein Auto. Manche Kinder können das gut ausblenden, andere nehmen fast alles wahr. Dann wird Konzentration anstrengend, weil das Kind ständig entscheiden muss: Was ist gerade wichtig?

Lernen und Anforderungen

Manchmal wirkt ein Kind unkonzentriert, weil eine Aufgabe zu schwer, zu leicht oder nicht richtig verstanden ist. Auch Schwierigkeiten beim Lesen, Schreiben oder Rechnen lassen die Aufmerksamkeit schnell abschweifen. Dann lohnt sich die Frage: Kann mein Kind nicht bei der Aufgabe bleiben – oder versteht es gerade nicht, was es tun soll?

Müde und erschöpft

Konzentration kostet Energie. Wenn dein Kind schlecht geschlafen hat, nach einem langen Schultag erschöpft ist oder kaum noch Reserven hat, fällt es ihm schwerer, aufmerksam zu bleiben. Manchmal ist fehlende Konzentration vor allem ein Zeichen dafür, dass der Akku leer ist.

Sorgen, Ängste und Veränderungen

Ein Streit mit Freunden, ein Schulwechsel oder eine schwierige Situation zu Hause beschäftigt ein Kind innerlich weiter, während es eigentlich dem Unterricht folgen soll. Manche Kinder wollen dann irgendwann gar nicht mehr in die Schule. Mehr dazu im Artikel „Kind will nicht in die Schule“.

Sehen, Hören und Medien

Wenn Arbeitsaufträge akustisch nicht richtig ankommen oder das Lesen an der Tafel anstrengend ist, sieht das von außen wie mangelnde Konzentration aus. Und bei Medien ist „zu viel Bildschirm = unkonzentriertes Kind“ zu kurz gedacht. Entscheidend ist, wann und wie Medien genutzt werden und ob Schlaf, Bewegung oder Erholung darunter leiden.

Oft kommen mehrere dieser Dinge zusammen.

Schau nicht nur, ob dein Kind sich konzentrieren kann – sondern wann

Ein Kind sitzt bei den Hausaufgaben fünf Minuten am Tisch und ist mit den Gedanken überall, baut aber anschließend eine Stunde konzentriert Lego. Kann es sich also eigentlich doch konzentrieren?

Nicht unbedingt. Konzentration hängt stark von der Situation ab: Interesse, Schwierigkeit, Tageszeit, Umgebung, Bewegung und die Menge der Ablenkungen machen einen großen Unterschied. Darum sind diese Fragen oft aufschlussreicher:

Wann gelingt es besonders gut? Wann wird es schwierig? Ist es morgens anders als nachmittags? Allein besser als in der Gruppe? Was passiert bei Aufgaben, die dein Kind interessieren – und was bei Aufgaben, die ihm schwerfallen?

Genau solche Beobachtungen helfen, ein Muster zu erkennen.

Konzentrationsprobleme bedeuten nicht automatisch ADHS

Wenn ein Kind häufig unkonzentriert, verträumt oder leicht ablenkbar ist, denken viele Eltern irgendwann an ADHS. Das ist verständlich. Aber nicht jedes Kind, das sich schlecht konzentrieren kann, hat ADHS. Ähnliches zeigt sich auch bei Stress, Ängsten, Schlafmangel, Überforderung oder Lernschwierigkeiten.

Deshalb lohnt sich ein genauer Blick: Seit wann bestehen die Schwierigkeiten? In welchen Situationen? Nur in der Schule oder auch zu Hause? Gerade diese Unterschiede zeigen, was dein Kind tatsächlich braucht.

Was sonst noch hinter ADHS-ähnlichen Symptomen stecken kann – von Schnarchen über Hören und Sehen bis zum Familienalltag – erkläre ich ausführlich im Artikel „Hat mein Kind ADHS?“.

Was hilft meinem Kind, sich besser zu konzentrieren?

Wenn du erste Muster erkannt hast, probier aus, ob kleine Veränderungen helfen. Es geht nicht um möglichst viele Konzentrationsübungen, sondern darum, die Bedingungen so zu verändern, dass Aufmerksamkeit leichter wird.

Aufgaben kleiner machen

Lieber ein überschaubarer Schritt nach dem anderen als ein großer Berg auf einmal.

Ablenkungen reduzieren

Ein ruhiger Arbeitsplatz kann helfen. Aber nicht jedes Kind braucht absolute Stille.

Bewegung einbauen

Manche Kinder arbeiten nach einer kurzen Bewegungspause deutlich besser weiter.

Pausen rechtzeitig machen

Nicht erst dann, wenn gar nichts mehr geht.

Kurz und klar sagen

Bei einem müden oder leicht ablenkbaren Kind gehen mehrere Anweisungen auf einmal schnell verloren.

Ausprobieren

Nicht alles passt für jedes Kind. Schau, was bei deinem wirklich einen Unterschied macht.

Das kannst du heute ausprobieren

Beobachte dein Kind drei Tage lang in unterschiedlichen Situationen, ohne es zu bewerten. Notiere dir kurz:

Wann konnte sich dein Kind gut konzentrieren? Wobei wurde es schwierig? Was war unmittelbar vorher? Wie müde oder angespannt war es? Wie lange konnte es bei einer Sache bleiben? Was hat geholfen, wieder zurückzufinden?

Ein paar Stichpunkte reichen. Vielleicht siehst du schon nach drei Tagen ein Muster: morgens klappt es gut, nachmittags kaum. Mit Bewegung vorher geht es leichter. Oder dein Kind verliert besonders dann den Faden, wenn viele Geräusche um es herum sind.

Solche Beobachtungen sagen oft mehr als der Satz: „Mein Kind kann sich einfach nicht konzentrieren.“

Können frühkindliche Reflexe bei Konzentrationsproblemen eine Rolle spielen?

Wenn ein Kind Schwierigkeiten mit der Konzentration hat, schaue ich in meiner Praxis manchmal auch auf körperliche Entwicklungsbausteine. Dazu gehören frühkindliche Reflexe.

Das sind automatische Bewegungsmuster, die für die frühe Entwicklung eines Babys wichtig sind. Im Laufe der Entwicklung werden sie normalerweise zunehmend integriert. Bei manchen Kindern lassen sich auch später noch entsprechende Reaktionsmuster beobachten.

Das heißt nicht, dass ein noch aktives Reflexmuster automatisch die Ursache für Konzentrationsprobleme ist. Konzentration ist viel zu komplex für einen einzelnen Faktor. Interessant wird dieser Blick aber, wenn zusätzlich Haltung, Koordination, Gleichgewicht oder Motorik auffallen oder wenn Sitzen und Schreiben ungewöhnlich anstrengend wirken.

Woran du solche Hinweise im Alltag erkennen kannst, liest du im Artikel „Frühkindliche Reflexe testen“.

In meiner Arbeit mit der KinFlex®-ganzheitlichen Reflextherapie schaue ich deshalb nicht isoliert auf die Konzentration, sondern darauf, ob solche Entwicklungsbausteine zusätzlich eine Rolle spielen.

Wann solltest du genauer hinschauen?

Nicht jede Phase mit schlechter Konzentration ist ein Grund zur Sorge. Kinder haben anstrengende Wochen, schlafen mal schlechter oder sind mit anderen Dingen beschäftigt. Genauer hinschauen solltest du, wenn …

  • die Konzentrationsprobleme über mehrere Wochen anhalten oder zunehmen,
  • dein Kind deutlich darunter leidet oder Lernen und Schulalltag beeinträchtigt sind,
  • weitere Auffälligkeiten dazukommen, etwa starke Unruhe, Impulsivität, Ängste, Schlafprobleme, häufige Bauch- oder Kopfschmerzen oder wachsende Selbstzweifel,
  • die Schwierigkeiten nicht nur bei den Hausaufgaben oder in einem Fach auftreten, sondern in ganz unterschiedlichen Situationen.

Bei anhaltenden Beschwerden sollten auch körperliche Ursachen sowie Sehen und Hören ärztlich bzw. fachlich abgeklärt werden. Besteht der Verdacht auf ADHS, gehört eine sorgfältige fachärztliche bzw. psychotherapeutische Diagnostik dazu.

Am Ende geht es nicht darum, möglichst schnell einen Namen für das Problem zu finden. Entscheidend ist: Warum fällt Konzentration gerade diesem Kind so schwer – und welche Unterstützung braucht es?

Wie ich euch begleite

Bei mir bekommst du zeitnah einen Termin. Ich habe freie Plätze, so können wir bald gemeinsam starten.

In meiner Praxis mindkids in Friedrichsdorf begleite ich Kinder und Eltern aus Friedrichsdorf, Bad Homburg und Umgebung, wenn Konzentrationsprobleme den Schulalltag belasten. Ich schaue nicht nur darauf, ob ein Kind „unkonzentriert“ ist. Gemeinsam finden wir heraus, wann die Schwierigkeiten auftreten, was deinem Kind schon gut gelingt und welche Faktoren zusammenspielen.

Je nach Kind können dabei Aufmerksamkeit und Selbstregulation, Ängste, schulische Belastungen und, wenn es Hinweise gibt, auch frühkindliche Reflexmuster wichtig sein. Ich arbeite unter anderem mit mindTV, KinFlex®, Benaudira und Elternarbeit.

Nicht jedes Kind braucht dasselbe. Manchmal ist eine weiterführende Diagnostik sinnvoll. Manchmal zeigen sich konkrete Ansatzpunkte, mit denen Schule und Alltag wieder leichter werden. Und manchmal hilft schon eine gute Einordnung und ein klarer nächster Schritt.

Mehr dazu auf meiner Seite Wenn Schule schwerfällt.

Häufige Fragen von Eltern

Ist mein Kind unkonzentriert, weil es ADHS hat?

Nicht unbedingt. Konzentrationsprobleme können viele Gründe haben, zum Beispiel Stress, Müdigkeit, Überforderung, Ängste, Lernschwierigkeiten oder Probleme beim Sehen und Hören. Mir ist wichtig, dein Kind abzuholen, bevor es ein Etikett bekommt. Wenn wir genau hinschauen, zeigt sich oft, was es wirklich braucht. Bleibt der Verdacht trotzdem, ist eine fachärztliche Abklärung der richtige Weg.

Warum kann sich mein Kind beim Spielen konzentrieren, bei den Hausaufgaben aber nicht?

Konzentration hängt stark von Interesse, Schwierigkeit, Tageszeit und Umgebung ab. Dass ein Kind beim Lego-Bauen lange dabeibleibt, heißt nicht, dass es sich bei den Hausaufgaben nur „zusammenreißen“ müsste. Es zeigt eher, unter welchen Bedingungen Konzentration gelingt.

Was kann ich zu Hause tun, damit sich mein Kind besser konzentriert?

Aufgaben kleiner machen, Ablenkungen reduzieren, Bewegungspausen einbauen, rechtzeitig Pausen machen und Aufträge kurz formulieren. Und vor allem: ein paar Tage beobachten, wann es gut klappt und wann nicht.

Wann sollte ich Konzentrationsprobleme abklären lassen?

Wenn sie über mehrere Wochen anhalten oder zunehmen, dein Kind darunter leidet oder weitere Auffälligkeiten dazukommen. Lass dabei auch Sehen und Hören prüfen.

Wie schnell bekomme ich bei dir einen Termin?

In der Regel zeitnah, denn ich habe freie Termine. Am einfachsten buchst du dir ein kostenloses Kennenlern-Telefonat.

Über die Autorin

Julia Meister ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und begleitet in ihrer Praxis mindkids in Friedrichsdorf Kinder, Jugendliche und Eltern. Ihre Schwerpunkte sind Konzentration und ADHS-ähnliche Anzeichen, Schule, Ängste, Selbstregulation und frühkindliche Reflexe. Sie arbeitet unter anderem mit KinFlex®, mindTV, Benaudira und Familiencoaching. Mehr über mich

Kommt dir das bekannt vor?

Wenn du dein Kind in diesem Artikel wiedererkennst und Konzentration und Schule zunehmend zum Kraftakt werden, melde dich gern bei mir. Gemeinsam schauen wir, was hinter den Konzentrationsproblemen stecken könnte, was dein Kind gerade braucht und welcher nächste Schritt für euch sinnvoll ist.

Liebe Grüße,

Julia Meister

mindkids
Julia Meister
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Wilhelmstraße 14 b
61381 Friedrichsdorf

Telefon: 01522 5703225
E-Mail: info@mindkids.de

Ganzheitliche Begleitung für Kinder, Jugendliche und Eltern bei Konzentrationsproblemen, ADHS, Schulangst, Ängsten, Wut und Entwicklungsfragen
– für Familien aus Friedrichsdorf, Bad Homburg und dem Hochtaunuskreis.

Quellen und weiterführende Informationen

Bundesgesundheitsportal gesund.bund.de:
ADHS – Symptome, Ursachen und Behandlung

Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit:
Aufmerksamkeit und Konzentration in der kindlichen Entwicklung

AWMF:
S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS)

Weitere Artikel findest du im Elternwissen.

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