Dein Kind sitzt eine halbe Stunde an drei Sätzen. Die Hand tut weh, die Schrift wandert über die Zeilen, und das Abschreiben von der Tafel dauert ewig. Dabei gibt es sich wirklich Mühe.

Vielleicht fragst du dich: Warum ist Schreiben für mein Kind so anstrengend? Und können frühkindliche Reflexe etwas damit zu tun haben?

Kurz gesagt: Ist Schreiben anstrengend für dein Kind, hat das oft mehrere Gründe. Denn Schreiben ist Schwerstarbeit für Körper und Augen. Dein Kind muss ruhig sitzen, den Kopf halten, mit den Augen der Zeile folgen und den Stift führen, auch über die Mitte des Blattes hinweg. Wenn einer dieser Bausteine noch viel Kraft kostet, wird Schreiben mühsam. Gestresste frühkindliche Reflexe können ein Grund dafür sein, zum Beispiel der ATNR. Genauso gut können die Augen, eine Lese-Rechtschreib-Schwierigkeit, die Feinmotorik oder Druck dahinterstecken. Darum lohnt sich ein genauer Blick, bevor man einfach mehr übt.

Was Schreiben alles von deinem Kind verlangt

Für uns Erwachsene ist Schreiben selbstverständlich. Für ein Schulkind passiert dabei ganz viel gleichzeitig:

  • ruhig und aufrecht sitzen, ohne zu wackeln,
  • den Kopf zum Heft beugen, ohne dass die Arme nachgeben,
  • mit den Augen der Zeile folgen und zwischen Tafel und Heft hin- und herwechseln,
  • den Stift locker halten und fein führen,
  • mit der Hand über die Mitte des Blattes schreiben.

Klappt das alles von selbst, bleibt der Kopf frei für Buchstaben und Wörter. Hakt einer dieser Bausteine noch, wird jede Zeile zur Arbeit.

Woran du merkst, dass Schreiben viel Kraft kostet

Die Hand

Dein Kind hält den Stift sehr fest, drückt stark auf, schüttelt die Hand aus oder klagt über Schmerzen.

Das Blatt

Das Heft liegt schief. Dein Kind schreibt nur bis zur Mitte, wechselt die Hand oder die Schrift wandert nach oben.

Die Augen

Dein Kind verliert die Zeile, liest Buchstabe für Buchstabe oder muss beim Abschreiben immer wieder neu suchen.

Die Buchstaben

Buchstaben werden verdreht, zum Beispiel b und d. Größe und Abstände passen oft nicht.

Der Körper

Dein Kind lümmelt, stützt den Kopf in die Hand, rutscht auf dem Stuhl oder sitzt auf einem Bein.

Die Stimmung

Hausaufgaben werden aufgeschoben. Sätze wie „Ich kann das nicht“ fallen, manchmal fließen Tränen.

Welche frühkindlichen Reflexe beim Schreiben eine Rolle spielen können

Aus der Reflexarbeit kennen wir einige Reflexe, die beim Schreiben oft mitspielen. Das ist Erfahrungswissen und keine Diagnose. Bei KinFlex® sprechen wir davon, dass ein Reflex noch gestresst sein kann. Dann kostet er Kraft, die beim Schreiben fehlt.

ATNR: die Mitte des Blattes

Dreht ein Baby den Kopf zur Seite, streckt sich der Arm auf dieser Seite. Ist dieser Reflex noch gestresst, kann jede Kopfbewegung beim Schreiben den Arm ein Stück mitziehen. Manche Kinder schreiben dann nur bis zur Mitte des Blattes, legen das Heft schief oder wechseln die Hand. Auch das Zusammenspiel von Hand und Augen fällt oft schwer, und Buchstaben werden verdreht.

Hand- und Fußreflexe: der Stift

Drückt man einem Baby in die Handfläche, greift es fest zu. Das ist der Palmarreflex. Am Fuß gibt es ein ähnliches Muster, den Plantarreflex. Sind diese Reflexe noch gestresst, hält ein Kind den Stift oft verkrampft, drückt stark auf und bekommt schnell Schmerzen in der Hand.

STNR: zwischen Tafel und Heft

Hebt ein Baby den Kopf, strecken sich die Arme. Senkt es ihn, beugen sie sich. Ist der STNR noch gestresst, wird jeder Blick von der Tafel ins Heft zu einem kleinen Kraftakt. Viele dieser Kinder lümmeln, stützen den Kopf oder sitzen auf einem Bein.

Die Augen: in der Zeile bleiben

Beim Lesen und Schreiben müssen die Augen ruhig einer Zeile folgen. Wenn Reflexe noch gestresst sind, beobachten wir oft, dass genau das schwerfällt. Das Kind springt in den Zeilen, liest Buchstabe für Buchstabe oder findet beim Abschreiben die Stelle nicht wieder.

Was frühkindliche Reflexe genau sind, liest du im Überblick „Frühkindliche Reflexe“. Woran du im Alltag Hinweise erkennen kannst, steht im Artikel „Frühkindliche Reflexe testen“.

Marie und die unsichtbare Linie

Marie ist in der dritten Klasse und ziemlich verzweifelt. Sie schreibt mit links. Und zwar genau bis zur Mitte des Blattes. Dann geht es nicht weiter, als hätte jemand eine unsichtbare Linie gezogen.

Auch Lesen ist mühsam. Marie liest noch Buchstabe für Buchstabe, springt in den Zeilen und verdreht Buchstaben. Beim Abschreiben von der Tafel muss sie den Text immer wieder von vorn lesen, bis sie das nächste Wort gefunden hat. Und die Hand tut ihr weh.

Auf der Liege zeigt sich: Der ATNR ist bei Marie noch sehr gestresst, ebenso die Hand- und Fußreflexe. Das Zusammenspiel von Hand und Augen klappt noch nicht.

Dann kommt etwas heraus, womit niemand gerechnet hat: Marie ist eigentlich Rechtshänderin. Als sie schreiben lernte, saß sie ihrer Schwester gegenüber und hat einfach gespiegelt, was sie gesehen hat.

Wir haben an den Reflexen gearbeitet, und Marie lernt jetzt, mit der rechten Hand zu schreiben. Heute fällt ihr das Abschreiben viel leichter.

Namen und Einzelheiten sind geändert.

Was sonst dahinterstecken kann

Wenn Schreiben schwerfällt, gibt es viele mögliche Gründe. Zum Beispiel:

  • Die Augen: Eine Sehschwäche oder ein holpriges Zusammenspiel beider Augen macht Lesen und Abschreiben anstrengend. Lass die Augen ärztlich prüfen.
  • Lesen und Rechtschreibung: Hinter großen Schwierigkeiten kann eine Lese-Rechtschreib-Schwäche stecken. Sprich darüber mit der Lehrkraft.
  • Die Feinmotorik: Manche Kinder brauchen für feine Fingerbewegungen einfach mehr Zeit und Übung.
  • Die Händigkeit: Schreibt ein Kind nicht mit seiner eigentlichen Hand, kostet das viel Kraft.
  • Druck und Angst: Wer Angst hat, Fehler zu machen, verkrampft. Auch in der Hand.

Gestresste Reflexe können ein Teil des Bildes sein. Selten sind sie das ganze Bild. Wenn auch die Konzentration schwerfällt, lies gern im Artikel „Mein Kind kann sich in der Schule nicht konzentrieren“ weiter.

Was du zu Hause tun kannst

Ein paar kleine Dinge können das Schreiben schon leichter machen. Probier aus, was deinem Kind guttut.

Kürzer statt länger

Lieber zweimal zehn Minuten mit Pause als eine halbe Stunde am Stück.

Gut sitzen

Die Füße stehen flach auf dem Boden, der Tisch ist etwa auf Ellbogenhöhe.

Den Stift prüfen

Ein dickerer Stift oder eine Griffhilfe kann die Hand entlasten.

Das Heft liegen lassen

Lass dein Kind das Heft so legen, wie es gut schreiben kann. Ständiges Geraderücken macht es oft schwerer.

Eine farbige Klarsichthülle

Manchen Kindern hilft eine farbige Klarsichthülle über dem Text. Starke Schwarz-Weiß-Kontraste können für sie flimmern und anstrengend sein. In der Reflexarbeit sehen wir das öfter bei Kindern, deren Moro-Reflex noch gestresst ist. Probier ruhig verschiedene Farben aus und frag dein Kind, womit es angenehmer ist. Wenn die Buchstaben oft verschwimmen oder flimmern, lass auch die Augen ärztlich prüfen.

Den Druck rausnehmen

Freu dich über das, was dein Kind geschrieben hat. Schönschrift kommt später.

Wann sich ein genauerer Blick lohnt

Genauer hinschauen würde ich, wenn …

  • Schreiben über Monate anstrengend bleibt, obwohl dein Kind übt,
  • dein Kind über Schmerzen in der Hand klagt,
  • es nur bis zur Mitte des Blattes schreibt oder oft die Hand wechselt,
  • beim Lesen ständig die Zeile verloren geht,
  • zusätzlich Gleichgewicht, Ballspiele oder Stillsitzen schwerfallen,
  • dein Kind anfängt zu glauben, es sei dumm.

So begleite ich euch

Der erste Schritt ist der KinFlex®-Fragebogen. Darin geht es um die Schwangerschaft, die Geburt und die ersten Entwicklungsschritte deines Kindes. Du füllst ihn aus und schickst ihn mir.

Im Kompass-Gespräch klären wir anhand des Bogens, ob sich ein genauerer Blick auf die Reflexe lohnt. Zu KinFlex® gehört bei mir immer auch eine Stunde mit dir. Im ersten Termin mit deinem Kind frage ich die Reflexe kinesiologisch ab und mache ein paar leichte Tests. Sind Reflexe noch gestresst, entstressen und zentrieren wir sie mit sanften Bewegungs- und Wahrnehmungsübungen.

Wie das genau abläuft, liest du auf der Seite KinFlex®-ganzheitliche Reflextherapie. Wenn es vor allem um die Schule geht, schau auf meine Seite Wenn Schule schwerfällt.

Termine gibt es bei mir zeitnah. Ich begleite Familien aus Friedrichsdorf, Bad Homburg und dem Hochtaunuskreis in meiner Praxis mindkids in Friedrichsdorf.

Häufige Fragen von Eltern

Ist mein Kind beim Schreiben einfach faul?

Selten. Kinder, die sich beim Schreiben quälen, strengen sich oft mehr an als andere. Es kommt nur weniger dabei heraus. Wenn Schreiben dauerhaft viel Kraft kostet, lohnt es sich zu schauen, woran es hakt.

Hat mein Kind eine Lese-Rechtschreib-Schwäche?

Das lässt sich aus der Ferne nicht sagen. Schwierigkeiten beim Schreiben haben viele Gründe. Wenn Lesen und Rechtschreibung trotz Übung deutlich hinterherhinken, sprich mit der Lehrkraft. Parallel kann es sich lohnen, auch auf den Körper zu schauen.

Ist es ein Problem, wenn mein Kind mit links schreibt?

Nein. Linkshänder schreiben genauso gut wie Rechtshänder. Wichtig ist, dass dein Kind mit der Hand schreibt, die wirklich seine ist.

Hilft es, einfach mehr zu üben?

Üben hilft, wenn die Voraussetzungen stimmen. Kostet Schreiben viel Kraft, macht noch mehr Üben oft nur müde und frustriert. Dann lohnt es sich, erst zu schauen, woran es hakt.

Wie schnell bekomme ich bei dir einen Termin?

In der Regel zeitnah, denn ich habe freie Termine. Am einfachsten buchst du dir ein kostenloses Kennenlern-Telefonat.

Über die Autorin

Julia Meister ist Heilpraktikerin für Psychotherapie und begleitet in ihrer Praxis mindkids in Friedrichsdorf Kinder, Jugendliche und Eltern. Seit 2018 arbeitet sie mit frühkindlichen Reflexen, seit 2020 mit KinFlex®. Ihre Schwerpunkte sind Konzentration und Schule, Ängste, Selbstregulation und frühkindliche Reflexe. Mehr über mich

Kommt dir das bekannt vor?

Wenn Schreiben für dein Kind jeden Tag zum Kraftakt wird, melde dich gern. Gemeinsam schauen wir, woran es hakt und welcher nächste Schritt zu euch passt.

Liebe Grüße,

Julia Meister

mindkids
Julia Meister
Heilpraktikerin für Psychotherapie
Wilhelmstraße 14 b
61381 Friedrichsdorf

Telefon: 01522 5703225
E-Mail: info@mindkids.de

Ganzheitliche Begleitung für Kinder, Jugendliche und Eltern bei Konzentrationsproblemen, frühkindlichen Reflexen, Schulproblemen, ADHS und Entwicklungsfragen
– für Familien aus Friedrichsdorf, Bad Homburg und dem Hochtaunuskreis.

Quellen und weiterführende Informationen

StatPearls (NCBI Bookshelf):
Primitive Reflexes

McWhirter, Steel, Adams (2024), Journal of Child Health Care:
The association between learning disorders, motor function, and primitive reflexes in pre-school children: A systematic review

Physiopedia:
Asymmetrical Tonic Neck Reflex

American Academy of Pediatrics u. a. (2009), Pediatrics:
Joint Statement – Learning Disabilities, Dyslexia, and Vision

KinFlex®:
Website von KinFlex®

Weitere Artikel findest du im Elternwissen.

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